Kleine Geschichte der Eheringe

Vom "Schwanzverschlinger" zum Wedding-Must-have

Für die meisten Paare gehört der Ringwechsel zu ihrer Hochzeit untrennbar hinzu. Aber woher kommt eigentlich diese Tradition?  Der Brauch, zur Hochzeit Ringe auszutauschen oder bzw. einen Ring zu verschenken, reicht 3000 Jahre zurück.  Also - wie wurden Ringe das ultimative Symbol der romantischen Ehe? Wir haben das für Euch mal recherchiert!  

von Kira Nothelfer

Die ersten Eheringe: Altägyptisch, Griechisch und Römisch

Folgen wir der Spur unserer heutigen Eheringe, müssen wir einige Jahrtausende zurückgehen. Die ägyptischen Pharaonen waren die ersten, die Ringe verwendeten, um damit die Ewigkeit zu symbolisieren. Sie erkannten, dass ein Kreis keinen Anfang und kein Ende hat und sowohl die Form der Sonne als auch des Mondes widerspiegelt - beide Gestirne wurden von den Ägyptern als heilige Gottheiten verehrt. 

 

Die Ägypter dachten auch, dass der offene Raum in der Mitte eines Rings ein Tor zum Unbekannten darstellt. Die ägyptischen Ouroboros  Ringe stellten eine Schlange dar, die ihren Schwanz verschluckt, was den ewigen Kreislauf der Dinge repräsentiert. Der Ouroboros ist eines der ältesten Symbole der Welt, und sein Name bedeutet auf Griechisch "Schwanzverschlinger".

Chrysopoea der Kleopatra (Codex Marcianus graecus 299 fol. 188v)

Als Alexander der Große Ägypten eroberte, übernahmen die Griechen die Tradition, ihren Liebhabern Ringe zu schenken, um ihre Hingabe zu repräsentieren. Viele dieser Ringe stellten Eros oder Amor, den Gott der Liebe, dar. Als wiederum die Römer Griechenland eroberten, griffen sie diese Tradition auf und begannen, Eisen- und Kupferringe bei Hochzeitszeremonien zu verwenden. Die Eisenringe hatten manchmal Schlüsselmotive, um zu symbolisieren, dass die Frau nun die Kontrolle über den Hausrat hatte. Im 2. Jahrhundert n. Chr. etablierten sich Eheringe aus Gold. 

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schl%C3%BCsselring.JPG
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schl%C3%BCsselring.JPG

Antiker Schlüsselring, vermutlich römisch 4. Jhdt.

Ab dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. wurden die Goldringe immer luxuriöser und stellten den Reichtum des Schenkers zur Schau. In dieser Zeit war der Fede-Ring in Mode, der zwei ineinander verschränkte rechte Hände zeigte, die Freundschaft, Partnerschaft und den Ehevertrag repräsentierten. ("Mani in fede" bedeutete "Hände im Glauben", also eine Darstellung betender Hände). Dieses Design wurde in Gold ausgeführt und oft als Intaglios (Gemme) in Edelsteine wie Onyx, Karneol, Granat oder Amethyst geschnitzt. Noch später begannen die Römer, ihre Ringe zu personalisieren, indem sie Porträts von sich selbst in ihre Ringe schnitzten.

 

 

Die alten Ägypter glaubten, dass der Ringfinger, also der vierte Finger der linken Hand, eine "vena amoris" oder "Liebesvene" enthält, die direkt zum Herzen führt. Die Römer übernahmen diesen Glauben und trugen ihre Eheringe am Ringfinger. Obwohl ihre Vermutung anatomisch nicht korrekt ist, hält sich die Tradition, Ringe am Ringfinger zu tragen, bis heute.

Kent County Council, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons
Kent County Council, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons

Mani in fede -Ring, Kent. Ca 1400-1550

Wie haben sich Eheringe entwickelt? Trauringe im Mittelalter und in der Renaissance

 

Ab dem Mittelalter begann man, Eheringe mit kostbaren Edelsteinen zu besetzen. Die Europäer des Mittelalters verwendeten Rubine als Symbol für Leidenschaft, Saphire als Symbol für den Himmel und Diamanten als Symbol für unerschütterliche Stärke.

 

Sowohl römische Fede- als auch Porträtringe waren im mittelalterlichen Europa beliebt. Um 1600 begannen Fede-Motive in Gimmal-Ringe integriert zu werden - Ringe mit zwei oder manchmal drei ineinander greifenden Bändern. Die Liebenden trugen während der Verlobungszeit jeweils einen Ring. Während der Hochzeitszeremonie steckte der Bräutigam seinen Ring an den Finger der Braut und vereinte die Eheringe zu einem passenden Set. Der komplette Ring zeigte zwei rechte Hände, die ineinander verschränkt waren.

 

Um 1600 entwickelte sich das Fede-Motiv zum Claddagh-Ring, der ein Paar Hände zeigte, die ein Herz hielten. Gimmal-Ringe mit dem Claddagh-Motiv hatten oft ein drittes Mittelband, das einen Edelstein zeigte, der von zwei Händen umklammert wurde. Poesie-Ringe wurden in der Renaissance und im Elisabethanischen Zeitalter immer beliebter. Diese Ringe wurden mit poetischen Versen innerhalb oder außerhalb des Ringbandes beschriftet.

 

Die Puritaner im kolonialen Amerika betrachteten Schmuck als frivol. Puritanische Ehemänner schenkten ihren Frauen daher Fingerhüte anstelle von Ringen. Nachdem die Bräute ihre Fingerhüte zum Nähen von Kleidern und Textilien für ihr neues Heim verwendet hatten, konnten sie die Spitzen ihrer Fingerhüte absägen, um daraus Ringe zu machen.

Claddagh-Hochzeitsring mit zwei Händen, die ein bekröntes Herz halten. (Nach einer Vorlage, ca 1800)

Wann wurden Verlobungs- und Eheringe zu zwei getrennten Ringen?

Im frühen Mittelalter war das Heiraten bemerkenswert einfach:  Alles, was das Paar tun musste, war, sich gegenseitig ihr "gegenwärtiges Einverständnis" zu geben. Oft wurde dieses Einverständnis durch das Geben und Annehmen eines Gegenstandes ausgedrückt, der von den Angelsachsen "wed" genannt wurde, und dieser "wed" war oft ein Ring. Eine "Hochzeit" war also eine Zeremonie, bei der ein Mann einer Frau einen Ring anbot und sie ihn annahm. Dies wurde im 8. Jahrhundert zur Norm. Verwirrung über die Legitimität von Hochzeiten war jedoch weit verbreitet. Da Zeugen und Geistliche bei der Hochzeit nicht anwesend sein mussten, konnten ein oder beide Paare später leugnen, dass eine Hochzeit stattgefunden hatte.

 

Bereits Papst Nikolaus I. legte im Konzil von 855 n. Chr. folgendes fest: "So, wie der Ring keinen Anfang und kein Ende hat, so soll die Beziehung des Paares und der Bund mit Gott ewig währen". 

Dennoch dauerte es bis zum 12. Jahrhundert, dass die christliche Kirche die Ehe zu einem heiligen Sakrament erklärte und eine kirchliche Zeremonie zur Eheschließung einführte.

Ringe waren ein Teil dieser Zeremonie, und es wurde zur Regel, dass kein Mann irgendeine Art von Ring an die Hand einer Frau stecken sollte, wenn er nicht vorhatte zu heiraten. Davor waren Ringe nicht immer ein Zeichen für die Ehe. Sie wurden oft als Zeichen der Hingabe oder  der Verlobung überreicht. Es ist möglich, dass zwei verschiedene Arten von Ringen entstanden, als die Kirche die Ehe kodifizierte: der persönlichere Verlobungsring und der kirchlich sanktionierte Ehering.

Der Jüdische Hochzeitsring

Jüdische Eheringe wurden erstmals im 10. Jahrhundert als offizieller Teil der Hochzeitszeremonie dokumentiert, obwohl sie wahrscheinlich viel weiter zurückreichen. In einer jüdischen Hochzeitszeremonie erwirbt der Bräutigam symbolisch die Braut: dies geschieht mit dem Ring, der anstelle von Geld fungiert. "Der Bräutigam sollte der Braut einen einfachen Ring geben, mit einem Wert von nicht weniger als einer Perutah" (die Perutah war die niedrigste Münze in biblischen Zeiten). Der fehlende Wert des Rings zeigt, dass die Braut nicht wie ein Stück Eigentum gekauft wird. Vielmehr ist die Annahme des Geldes durch die Frau eine symbolische Art und Weise, den Auserwählten als Ehemann anzunehmen. 

 

Frühe jüdische Hochzeitsringe zeigten wunderbare Miniaturpaläste, Schlösser und Tempel, die an der Stelle eines Edelsteins saßen und oft mit hebräischen Inschriften versehen waren. Diese architektonischen Kleinodien, von denen man annimmt, dass sie das eheliche Heim des Paares repräsentierten (und in einigen Fällen Salomons Tempel in Jerusalem symbolisierten), waren häufig mit einem kleinen Türchen versehen. Wenn man sie öffnete, las man den guten Wunsch "Mazel Tov" ("Viel Glück" auf Hebräisch.) 

 

Die Extravaganz und der stolze Preis solcher Ringe hat dazu geführt, dass die Ringe meistens im Besitz einer ganzen Gemeinschaften waren und von ihr geteilt wurden. Sie konnten vom Brautpaar für die Dauer der Zeremonie ausgeliehen und danach zurückgegeben werden. In reichen Handels- und Bankiersfamilien waren die Ringe grundsätzlich Familienerbstücke, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Diese traditionellen Ringe wurden auch nicht täglich getragen, sondern nur für den Anlass der Vermählung aufgesteckt. 

 

Heutzutage werden bei jüdischen Eheschließungen ebenfalls vergleichsweise schlichte Goldringe für Mann und Frau verwendet. 

Israel Museum, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons
Israel Museum, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons

 Jüdische Hochzeitsringe. Israel Museum, Jerusalem

Wann begannen Männer, Eheringe zu tragen?

Im Mittelalter war es unter den Reichen und Mächtigen üblich, Siegelringe zu tragen, die das Wappen des Hauses oder das persönliche Zeichen des Herrschers trugen. Die Männer steckten zur Trauung ihren Bräuten die Siegelringe an, um zu zeigen, dass sie ihr Eigentum mit ihrer Frau teilen würden. 

 

Im 16. Jahrhundert kamen im westlichen Europa vermehrt "Zwillingsringe" für Liebende in Mode. Liebespaare wählten zwei gleiche Ringe, die sie gegenseitig austauschten und als zeremonielle Verbindung im Sinne einer Verlobung betrachteten. Zur Hochzeit wurden die beiden Ringe miteinander verbunden und von der Frau fortan als Ehering getragen. 

 

Bis zum letzten Jahrhundert wurden Eheringe hauptsächlich von Frauen getragen, obwohl die christliche Kirche den Austausch von Eheringen als eine Möglichkeit förderte, Männer treu zu halten. Zwei Ringe wurden erst während des Zweiten Weltkriegs bekannt, als amerikanische und europäische Soldaten Eheringe trugen, um sich an ihre Ehefrauen und Liebsten in der Heimat zu erinnern. Diese Tradition setzte sich bis zum Koreakrieg fort. Danach setzten sich Eheringe für Männer auch in der Zivilbevölkerung durch.

Louvre Museum, Public domain, via Wikimedia Commons
Louvre Museum, Public domain, via Wikimedia Commons

Byzantinischer Hochzeitsring (Siegelring), ca. 7. Jhdt. n. Chr. / Paris, Musée du Louvre

Wofür stehen Eheringe heute?

Eheringe, in der Vergangenheit wie heute, symbolisieren Engagement, Liebe und Hingabe. In der Vergangenheit bedeuteten Eheringe ein Versprechen oder einen Vertrag zwischen einem Paar und ihren beiden Familien. Sie waren auch Zeichen oder sogar Sicherheiten, die zeigten, dass das Versprechen eines Mannes "Gold wert" war.

 

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Eheringe zu einem Statement der Individualität und Partnerschaft entwickelt, das von beiden Geschlechtern getragen wird. Sowohl Eheringe als auch Verlobungsringe sind bis heute ein fester Bestandteil der Hochzeitszeremonien und haben als Symbol der Ehe und Liebe ihren Siegeszug über die Welt angetreten. 

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Traurednerin Kira Nothelfer ist Mitglied bei der Vereinigung der besten Trauredner in Berlin und Brandenburg
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